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: Infanterietaktiken  ( 8287 )
theBrain
7.62-Modder

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Mr. Waffenwiki


« : 14. February 2012, 13:33:21 »

Nachdem hier immer mal wieder nach den Vorgangsweisen bei einzelnen Problemen bzw. konkreten taktischen Lagen gefragt wird, habe ich mich gefragt, ob es Sinn machen würde, einen Thread zu eröffnen, in dem Standardtaktiken für die Infanterie auf Trupp- und Gruppenebene (also von 2 bis ca. 10 Mann), sinnvolle Kombinationen bei der Bewaffnung erörtert werden.
Dabei denke ich mir, sollte es explizit um Taktiken gehen, die bei diversen Armeen erfolgreich angewendet werden, weniger aber um solche, die auf eine spezielle Spielmechanik hingetrimmt sind.

Wenn daran Interesse besteht, würde ich in den nächsten Tagen und Wochen mein Know How hier zum besten geben, sowie jeden, der meint etwas dazu beitragen zu können, mitzumachen.

Ich möchte einen wirklich rein theoretischen Ansatz liefern, der dann, an die einzelnen Situationen und Spielmechaniken angepasst, von jedem angewendet werden kann.
dusty
Moderator

: 1.792


« #1 : 14. February 2012, 15:47:23 »

Keine schlechte Idee... Ich erlaube mir vor zu preschen und die Standardtaktik der russischen Soldaten im und noch lange nach dem 2WK vorzustellen: Ein russischer Soldat hat sofort bei einer Marschpause angefangen sich einzugraben. Nach einer Viertelstunde war er kniehoch eingegraben, nach einer Stunde war der Graben mannshoch...  Leider lässt sich diese Taktik in den wenigsten Spielen einsetzen... ;)

"Lieber mit der .22er getroffen, als mit der .45er daneben geschossen..."
theBrain
7.62-Modder

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Mr. Waffenwiki


« #2 : 14. February 2012, 17:54:13 »

Na dann fang ich mal an:

Die grundlegenden Gefechtsformen sind die Schützenkette und die Schützenreihe.

Bei ersterer gehen die einzelnen Schützen nebeneinander, wobei die Seitenabstände der Situation angepasst werden. In freiem Gelände wählt man üblicherweise 7 - 10m, im Wald etc. wird entsprechend reduziert, um die Übersicht durch den Kommandanten (Kdt, der seinen Platz in der Mitte hat) zu gewährleisten.

Vorteile:
- Jeder Schütze kann seine Waffe(n) nach vorne optimal zur Wirkung bringen, dadurch ergibt sich mitunter eine beeindruckende Feuerkraft
- Jeder Schütze kann in Feindrichtung beobachten -> Blinde Flecken werden weniger

Nachteile:
- In schwierigem Gelände wird das vorankommen in Formation mitunter deutlich erschwert.
- Angriffen gegen die eigene Flanke kann unmittelbar kaum begegnet werden

Bei der Reihe wird hintereinander vorgegangen, der Kdt befindet sich je nach Gruppengröße an 2. oder 3. Stelle, der erste Mann geht mitunter mit deutlichem Abstand voran, um mögliche Gefahren früher erkennen zu können und darauf zu reagieren. Die abstände werden auch hier entsprechend denen der Kette gewählt.

Vorteile:
- Schnelles Vorankommen ist auch unter schwierigeren Bedingungen möglich, ein abreißen unwahrscheinlch, solange zumindest der Vordermann in Sicht ist.
- Auf Angriffe von der seite kann nahezu ideal reagiert werden

Nachteile:
- Auf Feindkontakt von vorne oder hinten kann nicht unmittelbar reagiert werden sondern erfordert vorherige Entwicklung in Kette.

Daraus lassen sich selbstverständlich alle möglichen Mischvarianten ableiten, beispielsweise Staffel links/rechts (die Schützen zur Seite und in der Tiefe gestaffelt, sie stehen also in einer Linie die etwa 45° zur Marschrichtung geneigt ist), Keil- bzw. V- Formationen, etc.
theBrain
7.62-Modder

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Mr. Waffenwiki


« #3 : 14. February 2012, 18:31:23 »

Ich weiß, Doppel- und Mehrfachposts sind generell eher unerwünscht, aber im Interesse der Übersichtlichkeit denke ich, ist es hier angebracht.

Welche Arten zu schießen gibt es eigentlich?

Grundsätzlich wird einmal zwischen Einzelschuss und Feuerstoß unterschieden. Feuerstöße kann man wiederum in kurze (3 - 5 Schuss) und lange (5 - 15) unterscheiden. Dauerfeuer hat bei (l)MG im infanteristischen Gefecht keine Bedeutung mehr, da weder vom Zweibein und schon garnicht ohne, die Präzision ab dem fünften bis zehnten Schuss so sehr nachlässt, dass es sinnlos wird.

Beim Einzelschuss kann man wiederum anhand dem Aufwand, der ins Zielen investiert wird, unterscheiden:
- Deutschuss: Bspw. aus dem Hüftanschlag grob gezielter Schuss, Treffer werden ab etwa 10 Meter Glückssache
- Schnellschuss/schnelles Einzelfeuer: Das Ziel wird mit dem Visier (optisch oder Kimme/Korn) aufgefasst, sobald Visier und Ziel übereinander sind, wird geschossen. Beim schnellen Einzelfeuer wiederholt sich dieser Vorgang laufend. Das hat den Vorteil, dass trotz der geringeren Schussfolge gegenüber dem Feuerstoß doch einiges an Feuervolumen ins Ziel gebracht werden kann.
- Präzisionsschuss: Sollte sich von alleine erklären...

Außerdem sollte der Grundsatz von Feuer und Bewegung eigentlich einem jeden hier bekannt sein, trotzdem möchte ich ihn hier nochmal aufwärmen:

Kein Feuer ohne Bewegung, keine Bewegung ohne Feuer.

Wenn also mindestens 2 - 3 Schützen verfügbar sind, bedeutet das üblicherweise dass sich einer bewegt bzw. nachlädt und der Rest den Gegner mit mehr oder weniger präzisem Feuer (hier ist außer bei MG schnelles Einzelfeuer sinnvoller als Dauerfeuer, auf kurze Distanzen ggf. kurze Feuerstöße von 3 - 5 Schuss).

Bei 4 und mehr Schützen ist es mitunter günstiger 2 oder 3 etwa gleich starke Trupps zu bilden (wobei gleich stark hier nicht unbedingt die Anzahl der Schützen sondern eher das mögliche Feuervolumen meint, weswegen bspw. MGs gleichmäßig verteilt werden und nicht in einem Trupp gebündelt werden sollten).
Die Anzahl der Trupps orientiert sich am Gelände und dem Feinddruck: bei offenem Gelände eher 3 Trupps, von denen 2 schießen und einer sich bewegt.

Die Bewegung kann jetzt grundsätzlich wieder auf 2 Arten erfolgen: Raupenartig und überschagend.

Raupenartig: Trupp A gibt B Feuerschutz. B rückt vor (oder zieht sich zurück), bezieht neue Position, eröffnet seinerseits wieder das Feuer. A stellt Feuer ein, schließt zu B auf, bezieht in unmittelbarer Nähe Stellung, löst B beim Feuerschutz ab, B bewegt sich wieder

Überschlagend: A gibt Feuerschutz, B bewegt sich. B bezieht Position einige Meter vor (oder hinter) A, eröffnet das Feuer. A stellt Feuer ein, zieht zu B nach, geht über B hinaus und bezieht vor B (wieder im Abstand einiger Meter) Stellung und eröffnet das Feuer.

Bei beiden Arten orientiert sich die Länge dieser Sprünge an der Distanz zum Gegner: Je näher am Feind und je wirksamer sein Feuer ist, desto kürzer, mitunter auch nur 3 Meter (das bedeutet bei überschlagendem Vorgehen immer noch 6 Meter vorzurücken, das kann verdammt lang sein).

Ich hoffe mal, das ist einigermaßen verständlich, wenn nicht, werde ich versuchen noch ein paar Skizzen nachzureichen.
Corbec
Moderator

: 330


ICQ Messenger - 145751383
« #4 : 15. February 2012, 23:56:18 »

...
Raupenartig: Trupp A gibt B Feuerschutz. B rückt vor (oder zieht sich zurück), bezieht neue Position, eröffnet seinerseits wieder das Feuer. A stellt Feuer ein, schließt zu B auf, bezieht in unmittelbarer Nähe Stellung, löst B beim Feuerschutz ab, B bewegt sich wieder

Überschlagend: A gibt Feuerschutz, B bewegt sich. B bezieht Position einige Meter vor (oder hinter) A, eröffnet das Feuer. A stellt Feuer ein, zieht zu B nach, geht über B hinaus und bezieht vor B (wieder im Abstand einiger Meter) Stellung und eröffnet das Feuer.

Bei beiden Arten orientiert sich die Länge dieser Sprünge an der Distanz zum Gegner: Je näher am Feind und je wirksamer sein Feuer ist, desto kürzer, mitunter auch nur 3 Meter (das bedeutet bei überschlagendem Vorgehen immer noch 6 Meter vorzurücken, das kann verdammt lang sein).

Ich hoffe mal, das ist einigermaßen verständlich, wenn nicht, werde ich versuchen noch ein paar Skizzen nachzureichen.
Mit unter sehr gut dargestellt, wenn es auch ein Film ist, in "Tears of the sun/Tränen der Sonne" mit Bruce Willis, als Sie überschlagend vorrücken (so nach ca. 87 Minuten) und danach Mann für Mann, nach schwerem Widerstand und Verlusten, überschlagend absetzten ( ungefähr ab Minute 93)...  ;)

No poor bastard ever won a war by dying for his country. He won it by making other bastards die for their country...
Wer suchet, der findet.... Wer drauf tritt, VERSCHWINDET - Wahlspruch der Minen-Pioniere :D
theBrain
7.62-Modder

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Mr. Waffenwiki


« #5 : 16. February 2012, 10:23:09 »

Ja, Tränen der Sonne ist einer der wenigen Filme, wo man sich infanteristisch ein Scheiberl abschneiden kann.
WegwerfZwerg

: 163


« #6 : 16. February 2012, 11:51:47 »

Für gediente wie mich ist das ja alles bekannt und aus der reinen Textform zu verstehen, aber ich denke den Laien würde eine bildliche Unterstützung helfen und auch eine Erklärung welchen Sinn und Zweck dieses hat.

Bei High Calibre gehe ich nie anders vor als in der Armee gelernt, immer mit einer sauberen Rundumsucherung und die wirkung ist enorm. Aber ich denke die meisten die nicht jeden Tag Strategiespiele spielen werden nicht das Verständnis dafür haben, so dass man da noch die Feinheiten erklären sollte.

"Ich habe hier so eine Kiste mit Gänseiern gefunden...komisch die sind aus Metall?!....pling.....Jetzt hast du es kaputt gemacht!!"
BOOOOM! [Die dreibeinigen Herrscher]
theBrain
7.62-Modder

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Mr. Waffenwiki


« #7 : 16. February 2012, 16:05:16 »

Ich hatte eigentlich nicht vor, hier als Alleinunterhalter aufzutreten, wenn ihr also meint, etwas beitragen zu können, tut es...
jooogii

: 147


« #8 : 18. February 2012, 13:38:21 »

noch ein paar Grundsätze für den Feuerkampf:
- Zielverteilung von links nach rechts: linker Schütze, schießt auch auf linken Feind
- besser getarnten Feind bekämpfen, anstatt den schlechter getarnten

Übergabe einer Stellung an die Ablösung: LANGEMAPP
Lage
- Vorrücken Feind auf Brücke erwartet
Auftrag
- Sicherung Brücke
Nachbarn
- links, 20m, 2. Zug
- rechts, 30m, 4. Zug
Grenzen
- linke Grenze: Baumstumpf
- rechte Grenze: Biegung Weg
Eröffnungslinie des Feuers
- 150m
Meldung
- bei Feindkontakt durch Funk
Ablösung
- unregelmäßig
Platz der Gruppe
- 100 m hinter Stellung
Parole
- Bravo Delta
jooogii

: 147


« #9 : 31. March 2012, 19:30:05 »

"Der Kampf im urbanen Umfeld - Gefechtstechniken der Gruppe"

http://www.bmlv.gv.at/truppendienst/ausgaben/artikel.php?id=1328
jooogii

: 147


« #10 : 04. June 2012, 21:13:11 »

"Der Kampf im urbanen Umfeld - Gefechtstechniken des Zuges und der Kompanie"

http://www.bmlv.gv.at/truppendienst/ausgaben/artikel.php?id=1409
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